Noch ein Jagdlappen

„Ist uns da etwas durch die Lappen gegangen?"

Jagdlappen wurden vor allem im 17. und 18. Jahrhundert bei großen höfischen und herrschaftlichen Jagden eingesetzt.

Beschreibung des Objekts

Jagdlappen waren bemalte Stoffstücke, die bei höfischen und herrschaftlichen Jagden eingesetzt wurden. Sie wurden an Kordeln oder Leinen befestigt und dienten dazu, das Jagdgebiet zu begrenzen. Das Wild sollte durch die auffälligen Darstellungen abgeschreckt und in die von der Jagdgesellschaft gewünschte Richtung gelenkt werden.

Funktion & Bedeutung

Eine Seite des Jagdlappens zeigt den Wappenschild von Ludwig Landgraf zu Hessen mit dem roten zweischwänzigen Löwen sowie der Inschrift LLZH und der Jahreszahl 1744. Damit kennzeichnete der Landgraf seinen Besitz und seinen Herrschaftsanspruch auch im Rahmen der Jagd.

Die Rückseite ist mit dem furchteinflößenden Bildnis eines Türken gestaltet. Dieses Motiv ist vor dem historischen Hintergrund der Türkenkriege und der zweiten Belagerung Wiens im Jahr 1683 zu verstehen – Ereignisse, die in Europa Angst und Schrecken verbreitet hatten. Der abschreckende Anblick sollte auch das Wild vom Durchschreiten der mit Jagdlappen versehenen Kordel abhalten.

Kultureller & historischer Kontext

Die noch heute gebräuchliche Redewendung „Ist uns da etwas durch die Lappen gegangen?“ geht auf diese Jagdpraxis zurück. Entkam ein Tier trotz der aufgestellten Lappen, war es den Jägern sprichwörtlich durch die Lappen gegangen.